90. Geburtstag Hilmar Hertha

Foto: C. Winter

Weidhausen – „Chef“ steht unübersehbar auf dem gelben Aktendeckel, der halb links auf dem Schreibtisch liegt. Und hinter dem Schreibtisch, worauf alle Utensilien ihren angestammten und wohl überlegten Platz haben, sitzt Hilmar Hertha. Der Seniorchef der Weidhausener Polstermöbel-fabrik „Arco“ feierte am Montag, 3. August, seinen 90. Geburtstag. Damit ist Hilmar Hertha ein knappes viertel Jahr älter als die Firma, die August Rädlein am 16. November 1925 in Weidhausen gegründet hat.

Der Familienbetrieb bestimmt auch im hohen Alter nach wie vor den Tagesablauf von Hilmar Hertha. Jeden Tag ab 7 Uhr sitzt der Seniorchef an seinem Schreibtisch. „Ich bin früh der Erste, da gehört ja auch der Chef hin“, sagt Hilmar Hertha, und dabei schwingt auch etwas Stolz in der Stimme mit. Manchmal sei der Vater auch schon eine Stunde früher im Büro zu finden, fügte Toch-ter Margit Beck hinzu, die zusammen mit ihrem Mann Hannes Beck die Geschicke der Firma und ihren mehr als 200 Mitarbeitern leitet. „Da hat er alles im Blick, sieht wer kommt und geht.“

Geboren wurde Hilmar Hertha im nahen Sonnefeld. Dort ging er auch zur Schule, anschließend in die Lehre. Korbwaren stellte Lehrherr Julius Lösch damals her. Es folgte der Arbeitsdienst und im Alter von 18 Jahren musste Hilmar Hertha als Seemann in den Zweiten Weltkrieg ziehen. „Abge-soffen bin ich in der Ost- und Nordsee“, erinnert er sich. Das Kriegsende erlebte er in britischer Gefangenschaft, wo er auf einem Bauernhof in Norddeutschland arbeitete. Der Entlassung im Au-gust 1945 – „wer den Krieg überstanden hat, war vom Glück gesegnet“ – schloss sich am 1. Sep-tember der Eintritt in die Firma „Arco“ als kaufmännischer Mitarbeiter an. Damals produzierten et-wa 20 Mitarbeiter Matratzen und Möbel. „Es war fast alles Handarbeit“, so der rüstige Jubilar.

1947 heiratete Hilmar Hertha  Inge Rädlein, die Tochter des Firmengründers, und fortan prägten sie die Firma. Zwei Jahre später kam Tochter Margit zur Welt. Auch die Generation der Enkel, Ale-xandra und Sarah, steht mit an der Spitze des Betriebs.

Dem Sport widmete Hilmar Hertha seine Freizeit. Seit 1952 ist er bei der Scharfschützen-Gesellschaft 1888 e.V. Weidhausen, den „88-er“, aktiv. Die Würde des Ehrenoberschützenmeis-ters verlieh ihm der Verein 2009, ein Jahr später wurde er Schützenkönig. „Noch vor zwei Jahren habe ich 20 Schützenfeste besucht.“ Darüber hinaus war Hilmar Hertha in seinen jungen Jahren aktiver Fußballer und Kunstspringer. „Jeden Tag war ein anderer Verein dran“, so Ehefrau Inge. Die Verbindung und Verbundenheit zum Wasserball zeigt sich beim „Arco“-Pokal, den Hertha viele Jahre auslobte und die Schwimmer finanziell unterstützte. Bundesliga-Mannschaften der Wasser-ball-Szene kämpften in Coburg um diesen Preis.

Die Grundlage für sein Alter kennt Hilmar Hertha genau: „Arbeit ist die beste Medizin!“ An seinem Geburtstag fand man ihn nicht am Schreibtisch, zumindest nicht in der Zeit von 10 bis 13 Uhr. Da gab es einen Empfang zum Geburtstag und Firmenjubiläum im Musterzimmer von „Arco“-Polstermöbel. Trotz aller Bescheidenheit von Hilmar Hertha („so ein Getue für einen 90. Geburts-tag“) hat Inge Hertha bestimmt: „Etwas gefeiert gehört schon!“

Und gefeiert wurde am Ehrentag von Hilmar Hertha auch gebührend. Die Gratulanten gaben sich die Klinke in die Hand. Bürgermeister, Geschäftspartner und die Vertreter der vielen Vereine, die Hilmar Hertha unterstützt hatte und mitunter noch immer fördert, waren gekommen.

Hilmar Hertha feierte am 3. August seinen 90. Geburtstag. Täglich noch ist der Seniorchef der Weidhausener Firma „Arco“-Polstermöbel in seinem Büro zu finden.

Die ARCO-Produktgruppen